Familie Rieck


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1963 bis 1969

Lebensläufe

16.5.1963
Bewährungshelfer teilt mit, dass der Jugendliche seit 14.4.1963 im Hotel Post in St. Wolfgang in Ober Österreich in der Küche arbeitet.
Nach Aussagen des Jugendlichen ist seine Großmutter Alkoholikerin, seine Mutter ist ständig mit neuen Männern aufgetaucht und
in der Wohngegend sind seine HO Verfehlungen auch bekannt. Der fluchtartige Arbeitsplatz und Wohnungswechsel ist daher eine verständliche Reaktion.
Mit 10.5.1963 ist Bewährungshelfer Erich Deschermaier sein Betreuer.
Von nun an geht es sichtlich Bergauf.

28.1.1964
Laut Beschluss Einweisung in die Bundeserziehungsanstalt Kaiser Ebersdorf.
Nach Rücksprache mit meinem Bewährungshelfer werde ich freiwillig ohne Polizeieskorte nach KE begeben.
Mit der Einweisung wurde aber die Betreuung durch die Bewährungshilfe eingestellt. Aber der Kontakt blieb aufrecht da Herr Deschermaier Erzieher in KE war und dort auch Nachtdienste machte. So haben wir regelmäßig uns besprochen.


18.2.1964
KM und ihr neuer Gatte erscheinen am Amt, da der Gatte die Vormundschaft des Jungen übernehmen möchte. Wurde aber darauf hingewiesen dass dies aussichtslos ist, dass er die Vormundschaft erhält.KM scheint an Peter wie schon oft festgestellt kein sonderliches Interesse zu haben, hat selbst Schwierigkeiten mit ihrer Mutter.

Nun begann eine harte Zeit. Wie in einer Militärkaserne Täglich am Morgen Frühsport. Dann arbeiten. Mittagessen auf der Gruppe. Nachmittag wieder arbeiten. Zuerst arbeitete ich in der Bäckerei. War nicht schlecht, da es immer gutes frisches Brot gab. Die Jungens von der Küche machten mit uns immer Tauschgeschäfte. Wir bekamen Wurst und Käse und sie von uns frisches Brot.
Als nächster Aufstieg wurde ich Kanzleireiniger. Das war ein Job wo ich mich in der Anstalt immer frei bewegen konnte und immer am laufenden war da ich guten Kontakt zum Kanzlei Personal hatte.
Die letzten Monate wurde ich in die Kleiderkammer versetzt. Hier war ich wieder im Element. Alle wollten von mir Neue Hemden, Unterhosen und was es sonst noch gab. So konnte ich den Jungs der Küche und Bäckerei was Neues zukommen lassen und ich bekam im Gegenzug wieder frisches Brot und Wurst und Käse. Mein Chef in der Kleiderkammer war auch wieder ein Trinker der immer wieder Besuch von den verschiedensten Erziehern und Meistern bekam und sie ihren Doppler nach dem Anderen leerten. War mir total egal. Ich hatte meine Ruhe. Ich sah und hörte nichts was hier geschehen ist. Wenn der LKW mit der Wäsche aus Kirchberg am Wagram gekommen ist kamen immer eine oder zwei Kisten Doppler Wein mit.


18.1.1965
Anfrage aus KE ob, der Jugendliche zur Mutter entlassen werden kann.
FÜHRUNGSBERICHT aus KE:
Die Führung des Zöglings war vom Anfang an klaglos. Im Laufe der Anstaltszeit verstieß er kein einziges Mal gegen die Hausordnung. In der Gruppe galt er lange Zeit als Träumer und Sonderling. Sehr guter Kontakt zu seinem Erzieher. Sein Bedürfnis nach Sauberkeit und Ordnung war allerdings lange Zeit hindurch dürftig. Erst in den letzten Monaten gab er sich sichtlich Mühe auch in dieser Hinsicht zu entsprechen.
Die Chance einer probeweisen Entlassung sollte ihm geboten werden.

15.2.1965
KM ist seit Jänner 1965 von ihrem Gatten August Tschermenek geschieden.
Sie arbeitet als Hilfsarbeiterin bei der Firma Czettl.
KM wohnt mit der GM in derselben Wohnung. Für den jugendlichen gibt es ein eigenes Bett. Wohnung sehr sauber. Beide sind bereit den Jugendlichen wieder aufzunehmen.


16.2.1965
Rücksprache mit Bewährungshelfer Erich Deschermaier. Er wird die Betreuung des Jungen wieder übernehmen. Eine Wiederaufnahme in der Firma Austrostock ist auch gesichert.

5.7.1965
Bericht des Bewährungshelfers Deschermaier:
Der Jugendliche wohnt jetzt mit der Großmutter alleine in der alten Wohnung in der Felberstraße da KM wieder zu einem Mann nach Vorarlberg gezogen ist.
Der Jugendliche arbeitet fast klaglose. Bekam vom Chef der Firma ein Moped für Privatfahrten. Beschäftigt sich in seiner Freizeit mit dem Moped. Kontakt zum Minderjährigen ist sehr gut. Arbeitshaltung hat sich positiv geändert, kommt regelmäßig in die Sprechstunde. Eine echte Beeinflussung scheint nicht gegeben zu sein. Er liebt es mit seinem Wissen zu prahlen.


5.1.1966
Bericht des Bewährungshelfers Deschermaier:
Der Junge hat sich sichtlich konsolidiert. Er achtet sehr auf gepflegtes Äußeres, kennt nur ein Gesprächsthema seinen Dienst. Er arbeitet bei der ÖBB am Bahnhof Penzing wo seine ganze Familie männlicher Linie arbeitet oder gearbeitet haben.
Dem Bewährungshelfer ist er ausgesprochen ergeben, fast übertreibt er schon die Häufigkeit und Dauer seiner Besuche.

War auch wieder darauf hinzuführen, dass ich endlich einen Menschen männlichen Geschlechts besaß mit dem ich mich verstanden habe und der sicher auch meine Interessen verstanden hat. Ich habe geglaubt ich mache eine Freude wenn ich zu den vereinbarten Treffen kam und Kaffee gekocht habe.
Er holt sich in allen entscheidenden Dingen Rat beim BWH dem er auch strikt befolgt. Seine Servilität bringt er auch seinem Dienststellenleiter gegenüber zum Ausdruck. Im Neuen Jahr will er nun um eine vorzeitige Großjährigkeitssprechung beantragen um sein Mädchen heiraten zu können. Einstweilen steht dem ganzen der Wohnungsmangel gegenüber. Die GM ist nicht bereit die Jungen gemeinsam aufzunehmen.

3.1.1967
Mit Erreichung der Großjährigkeit wird der Jugendakt geschlossen


Damit war ein großes Kapitel geschlossen!!!

Nun noch einige Zeilen über meinen Bewährungshelfer Erich Deschermaier.
Diesem Menschen kann ich es verdanken, dass eine Wende stattgefunden hat.
Er hat mich bestens verstanden. Ich war immer sein Musterstück.
Ich habe es sehr bedauert, dass er so zeitig verstorben ist. Ich habe immer gesagt er ist mein Ersatzvater. Ich bin auch davon 100% überzeugt, dass er mit mir auch Museen besucht hätte.
Leider habe ich ihn zu spät kennen gelernt sonst wäre Vieles nicht passiert.
Ich verdanke diesem Menschen ehrlich sehr viel!!!!

Ich besuche auch regelmäßig seine Grabstätte am Neustifter Friedhof.


Nun erzähle ich weiter aus meinem Leben nach dem 21.Geburtstag.
Mit dem Mädel wo ich mich vorzeitig Großjährig sprechen lassen wollte ist alles wieder auseinander gegangen. Die Distanz Wien - Leppersdorf/bei Scharten war zu groß.
Das Mädel betrog mich so bald es nur möglich war. Sie sagte ihre Eltern sie fahre zu mir nach Wien in Wahrheit fuhr sie mit einem Freund aus Wels herum. Ihren Sohn den sie hatte lies sie bei ihren Eltern in Leppersdorf. Sie zog dann rasch nach Wels, dass sie die Eltern nicht mehr unter Kontrolle hatten. Mich wollte ihre Mutter nicht ausstehen. Somit war es für mich auch schwer. Es hat mich sehr getroffen weil der Junge den sie hatte mir gut zugegangen war.

Es war hart aber sicher besser, dass es auseinander ging. Viele haben mir nachher gesagt, dass ich mir auch selbst ein Kind machen kann und da brauche ich niemand anderen, dass er ein Kind mitbringt. War wieder eine Lehre für mich. In der Folge lernte ich immer wieder Partnerinnen kennen die schon ein Kind hatten. Eines Tages lernte ich ein Mädel kennen aus Neuhaus bei Weißenbach an der Triesting.
Es stellte sich nach zwei Monaten heraus, dass sie schon schwanger war als ich sie kennen lernte. Nun kam wieder ein Problem auf mich zu.
Freundin schwanger von einem Anderen. Ich am Südbahnhof im Dienst. Verkehrsverbindung von Weißenbach/Neuhaus nach Wien sehr schlecht. Ich musste mit dem aller Ersten Zug aus Weißenbach nach Wien fahren um so halbwegs rechtzeitig in den Dienst zu kommen. Abends war es dann noch schlechter mit der Verbindung. Dann war es so dass die Mutter von dem Mädel keine Arbeit hatte, ihr Lebensgefährte auch nicht und noch dazu ein Alkoholiker.
Das Licht war abgedreht, die Senkgrube war am überlaufen. So habe ich mit meinem Geld die Sachen erledigen lassen da ja dann das Kind kommen sollte und nicht ohne Licht sein kann.
Nun kam der Junge auf die Welt. Alle haben mich für den Vater gehalten. Das Nächste war die Taufe des Kindes. Alle kamen mit den unmöglichsten Namen aus der Familie. Bis ich den Namen festgesetzt habe der Junge sollte Sigurd-Peter heißen. Alles klar der Junge hieß nach der Taufe Sigurd-Peter. Man wollte mich bewegen den Jungen zu adoptieren wenn ich heiraten würde.
Nun wurde ich aber schwer krank mit einer argen Lungenentzündung. Habe dabei schwer an Gewicht abgenommen. Die Krankenkasse sandte mich auf Erholung nach Altenmarkt an der Triesting. Wir waren nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.
Nie ist wer zu Besuch gekommen. Eines Tages wurde mir zugetragen, dass meine Freundin wieder mit ihren alten Freund beisammen ist. Als ich nach meiner Erholung wieder zu ihr kam stand mein Koffer vor der Haustüre. Er war sicher wochenlang im feuchten Keller gelagert da alles feucht, muffig, und schmutzig war. Ohne Kommentar. Mein Geld haben sie wohl genommen, die Verlobungsringe haben sie auch verkauft.
Wieder eine Erfahrung reicher!!!
Nachher habe ich gehört, dass sie wieder schwanger wurde von dem Freund und sogar Zwillinge bekommen hat. Sie hatte sogar vor wieder mit mir zusammen zugehen. Ich hätte sicher dankend abgelehnt.
Nun kam die Zeit wo ich oft nach Vorarlberg gefahren bin, meine Mutter in Hard besuchen. Sie arbeitet einstweilen in der ALMA.
Eines Tages lernte ich beim Zurückfahren nach Wien meine heutige Frau Georgine kennen
. Es war am 10.11.1968.
Wir haben sofort geschaut, dass wir günstig eine Startwohnung bekommen.
Durch Beziehungen meiner Großmutter die ja in den Haus Felberstraße 104a Hauswartin war bekamen wir eine Wohnung. Wohl nur 28 qm aber es hat genügt. Nur wir hatten kein Wasser in der Wohnung und die Toilette war am Gang.
Unsere Nachbarn waren alles alte Leute. Daher der Kontakt sehr spärlich bis gar nicht vorhanden war. Ich arbeitete am Bahnhof Wien Matzleinsdorf und meine Frau bei der HORNYPHON im 3.Bezirk Dr. Bohrgasse im Akkord.




Am 18.April 1969 haben wir geheiratet. Es war ein echter Apriltag und Symbolisch für unsere Ehe. Es gab vom Himmel alles was möglich war. Da wir keine Hochzeitsgäste hatten gingen wir am Nachmittag ins Kino und schauten uns IN 80 TAGEN UM DIE WELT an. Das Kino war Gratis weil unser Trauzeuge in dem Kino Filmvorführer war.


Hallo Teenager!!!!

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